Narbenhernie

Häufigkeit:

Die Narbenhernie entsteht nach einer Operation mit Eröffnung der Bauchhöhle in 10-20% aller Patienten.

Ursache:

Die Bauchwand bietet nicht ausreichend Stabilität und weicht auseinander. Durch die Schwäche des Narbengewebes tritt eine Vorwölbung im Verlauf der Narbe auf, die sich über die gesamte Länge des ursprünglichen Zuganges ausdehnen kann. Als Ursache wird eine gestörte Kollagensynthese angenommen, so dass die Narbe keine adäquate Stabilität erreichen kann.

Diagnostik:

Die klinische Untersuchung ist in den allermeisten Fällen ausreichend. Hilfreich ist die Sonographie (Ultraschall). Bei Patienten mit breiten Defekten kann zur Therapieplanung im Einzelfall eine Computertomographie notwendig sein.

Behandlung:

Nur die operative Behandlung kann eine Bruchpforte verschliessen! In Anbetracht der biologischen Ursache der Narbenhernie muss der alleinige Nahtverschluss zum erneuten Auftreten des Bruches führen. Es ist heute bestens belegt, dass die Bauchwand im Rahmen der Hernienreparation durch Kunststoffnetze stabilisiert werden muss. Das Netz wird im Rahmen konventioneller Operationen, nach Eröffnung der gesamten ursprünglichen Narbe, oder durch laparoskopische Techniken eingebracht. Der entscheidende Vorteil der laparoskopischen (minimal invasiven) Technik ist die reduzierte Rate an Wundkomplikationen bis hin zu Infektionen, die das Netz betreffen. Dies ist in zahlreichen Untersuchungen heute sehr gut belegt und allgemein akzeptiert. Nachteil ist die schwierigere Technik und teurere Materialien.

Netzmaterial:

Bei konventionellen Operationen werden großporige, leichtgewichtige Netze aus Polypropylen in die Bauchwand implantiert. Da bei der laparoskopischen Technik das Netz in Kontakt mit den Eingeweiden kommt, muss das Material Verwachsungen effektiv verhindern. Während bis Anfang des 21. Jahrhunderts vorwiegend ePTFE (Goretex) verwendet wurde, gibt es heute beschichtetes Polypropylen oder Polyester und Polyvinylidenfluorid. Die erstgenannten Materialien sind vom Handling schwierig und nicht in jedem Fall zuschneidbar. PVDF ist ein, wie experimentell belegt, ideales Material, was sich auch bei der klinischen Anwendung in jeder Hinsicht bestätigt. Zuschneiden ist möglich, die Verwendung von mehreren sich überlappenden Netzen ebenfalls. PVDF ist sehr unempfindlich gegenüber Infektionen und zeigt eine geringe Schrumpfungstendenz. ePTFE zeigt dagegen eine ausgeprägte Schrumpfung und eine extreme Empfindlichkeit gegenüber Infektionen. Während PVDF im Falle einer Infektion immer erhalten bleiben kann, müssen infizierte Netze aus ePTFE immer entfernt werden. Aktuelle experimentelle Studien sowie eine klinische Untersuchung an über 300 Patienten zeigen die Überlegenheit von PVDF als Material der in der Bauchhöhle verwendbaren Netze.

Eigenes Vorgehen: 

Seit September 1999 wird routinemäßig die laparoskopische Technik bei Narbenhernie durchgeführt. Grundsätzlich werden Netze aus Polyvinylidenfluorid verwandt. Bei Patienten mit sehr weiter Bruchlücke, die eine adäquate Überlappung (mindestens 5 cm) nicht erlaubt, findet bei Mittellinienbrüchen die sogenannte Komponentenseparation oder bei queren Laparotomien eine offene IPOM-Technik Verwendung. Die klinischen Ergebnisse werden regelmäßig publiziert und bei nationalen und internationalen Kongressen vorgestellt. Workshops in der eigenen Klinik sowie Live-Operationen im In- und Ausland vermitteln die Grundlagen der eigenen Technik an interessierte Chirurgen.

Prophylaxe:

Ein suffizienter Bauchdeckenverschluss stellt die wichtigste Maßnahme dar. Die Fasziennaht sollte fortlaufend mit langsam resorbierbarem Material erfolgen. Der verwendete Fadens sollte mindestens viermal länger sein als die Inzision. Dies muss bei jedem Bauchdeckenverschluss durch Messen von Inzisions- und Fadenlänge überprüft werden! Bei der operativen Versorgung von Krankheitsbildern, die nach Laparotomie mit einer hohen Rate an Narbenhernien einhergehen, wie zum Beispiel das Aortenaneurysma, wird durchaus die prophylaktische Verwendung eines Netzes beim Bauchdeckenverschluss gefordert.